K. & K. — Kreisky & Kern

Dienstags, Wolke 19, Donauplatte.
Christian Kern zu Gast bei der Sektion ohne Namen.

Die Mischung des Publikums hätte unterschiedlicher nicht sein können. War das Publikum am Tag davor bei Heinz Fischer im Kreisky Forum alt genug, um bei Kreiskys erster Wahl bereits wahlberechtigt zu sein, so nahmen bei #SoNLive mit Christian Kern primär jene teil, für die Kreisky ein Begriff aus dem Geschichtsunterricht ist.

Genau sie, die jungen und engagierten Mitglieder der Sektion ohne Namen, die sich ausdrücklich als überbezirklich verstehen und keine Parteizugehörigkeit verlangen, sind es, die eine Möglichkeit der Parteimodernisierung und neue partizipative Wege aufzeigen, so Kern.

Christian Kern bei der Sektion ohne Namen. (Mathias Hörlesberger)

Die veränderte, teils globalisierungskritische Rhetorik konservativer PolitikerInnen (z.B. Obama bei der Generalversammlung 2016, oder Theresa May beim Torry Parteitag), nahm Kern als Ausgangspunkt für die sich ändernde Gesellschaft. Deutliche Worte fand Kern auch, als er über die Digitalisierung der Arbeitswelt sprach. So wählte er ein für das Publikum sehr treffendes Beispiel, nämlich IBMs “Watson” der bereits jetzt Krebsdiagnosen und Gerichtsverfahren schneller, genauer und objektiver als Menschen erstellt. Dieses Beispiel veranschaulicht, dass auch gut-ausgebildete Jobs wegdigitalisiert werden. Auf diese gesellschaftlichen Veränderungen galt es bei Kerns “Plan A” einzugehen und zu berücksichtigen. Sei es nun, etwa wenn es um StartUp Clusters geht, die die Energiewende bringen und tausende neue Jobs kreieren sollen, oder wenn es etwa darum geht vorbildhafte Schulmodelle für viele zugänglich zu machen. Die Auswirkungen der digitalen Revolution auf die Gesellschaft vollziehen sich stetig und sind weitreichend. Der “Plan A” bietet daher erste Projektideen die es nun gilt bis zum Wahltermin 2018 gemeinsam umzusetzen. Aber die vorgeschlagenen Perspektiven im “Plan A” reichen natürlich über die Wahl 2018 hinaus und sollen langzeitig eine Orientierung bieten, so Kern weiter.

“Wie schafft man das Engagement von einer Ebene zu einem Gesamtkunstwerk zu machen?”

Nachdem in kleiner Runde Oliver Stauber, Vorsitzender der Sektion ohne Namen, und Claudia Kürzl, Frauensprecherin der Sektion, mit Christian Kern über neue Partizipationsformen, und erfolgreiche Schulmodelle auf dem Podium diskutierten, erhielt das Publikum vor Ort und auf sozialen Medien die Gelegenheit Fragen an den Bundeskanzler zu stellen. Dadurch schaffte die Sektion ohne Namen einen interessanten Fragen-Mix.

Wolke19. (Mathias Hörlesberger)

Auf Zukunftsängste und Ausbildungsungleichheit gefragt, kritisierte Kern, dass der Staat weniger Geld für die Ausbildung von Lehrlingen als für Gymnasiasten ausgibt, und schlug zusätzliche Ausbildungsmöglichkeiten, wie Sprachkurse inkl. Auslandsaufenthalte für Lehrlinge vor. Auf die Frage nach einem BGE (= bedingungsloses Grundeinkommen) ging der Kanzler nicht genauer ein. Gleichzeitig hob Kern die unrühmliche Rolle Österreichs hervor, als eines der OECD-Länder mit der geringsten Bildungsdurchlässigkeit.

“Ein Lehrling muss in seiner Ausbildung genauso viel wert sein, wie ein Gymnasiast.”

Nach Kreisky und Kern schaffte es noch eine Politikerin mit K in die Diskussionsrunde: Christa Kranzl. Sie schaffte es an der Veranstaltung teilzunehmen, obwohl sie weder auf der Liste stand, noch keine Einladung erhalten hatte. Mysteriös. Auf Kranzls vier kurzen Fragen bzgl. der Arbeitnehmerfreizügigkeit und der damit verbundenen Lohndifferenzen zwischen EU-Mitgliedern, sprach sich Kern ausdrücklich für das europäische Projekt aus. Vor allem im Bereich Sicherheit und globalen Themen brauche es eine Europäische Union. Gleichzeitig unterstrich er die Vorteile die sich aus der wirtschaftliche Zusammenarbeit der Mitgliedsstaaten für Österreich ergeben. Kern mahnte aber, dass es den Anschein habe als würde es manchen Mitgliedsstaaten an Solidarität fehlen, und in ihren Handlungen dem Prinzip der europäischen Solidarität widersprechen. So etwas dürfe es in einer Gemeinschaft die sich auf gegenseitige Solidarität beruft nicht geben. Daraus ergibt sich, dass auf lange Sicht die Frage nach der weiteren europäischen Integration gefragt werden muss.

“Sorgen wir dafür, dass alle eine Chance bei uns bekommen.”

Nach der fast zweistündigen Veranstaltung erhielten die Anwesenden noch die Gelegenheit ein Selfie mit dem Bundeskanzler zu machen. Die Traube an Menschen die sich sofort rund um den Bundeskanzler bildete, zeugte davon, dass ein Moment mit dem Bundeskanzler digital soziales Kapital wert ist.

Nach der Rede ist vor dem Selfie. (Mathias Hörlesberger)

Das gesamte Event gibt es auf der Facebook-Seite der Sektion ohne Namen nachzusehen!

Einen Kommentar hinterlassen

10 − eight =